Fantastisch und unterhaltend zugleich

von Lennart Forsch, 12.11.2020

Magie, Drachen, Inselelfen, eine Armee von mutierten Monsterkriegern und ein eisern regierender König – Dinge, die in keiner Fantasy-Komödie fehlen dürfen: Das Hörspiel bedient sich mit gekonnter Leichtigkeit klassischer Fantasy-Elemente, kombiniert diese mit einem hohem Bezug zur heutigen Zeit und mixt gleich noch reichlich Humor und Selbstironie mit dazu. Heraus kommen die aberwitzigen und meist eher unfreiwilligen Abenteuer der Gebrüder Tilman und Theodor, Alchemistin Nora, Jäger Manfred und seiner Schildkröte Schorsch. Gemeinsam stellen sie sich im Laufe der siebenteiligen Serie den zahlreichen Herausforderungen des Reiches Peditum, wie zum Beispiel den „Nackenmullen“ – Schergen vom bösen König Nackenhorst.

Die “Helden” von links nach rechts: Tilman Thompson, Alchemistin Nora, Schildkröte Schorsch, Theodor Thompson und Jäger Manfred Marksmann. © Kevin Szesch

Dabei finden auch viele Elemente aus unserer Zeit Bedeutung: Aus Smartphones werden Brieftauben und Pferde müssen zur Abgaskontrolle zum „PÜV“. Da lässt sich bereits erahnen, dass dies nicht die Geschichte klassischer Fantasy-Helden ist. Insbesondere die Gebrüder Tompson haben auf dieses ganze Weltenretten eigentlich überhaupt keine Lust, sind oftmals feige und wollen einfach nur nach Hause. Doch das Schicksal hat zumeist andere Pläne und macht sie zu den unfreiwilligen Helden dieser Reihe. „Im Grunde genommen sind alles Idioten. Eine Gruppe chaotischer Antihelden, die durch eine Reihe von Missgeschicken das Königreich Peditum rettet, wenn man so will“, fasst Autor und Mitschöpfer Mike Riß schmunzelnd zusammen.

Landkarte des Fantasy-Reichs Peditum. © Mike Riß

Hinter dem Mikro

„Es hat angefangen durch so ein kleines Tief in meinem Studium. Ich hab‘ eines Tages ein altes Hörspiel aus meiner Jugend namens ‚Allimania’ gehört. Das ist ein Fantasy-Comedy Hörspiel basierend auf ‚World of Warcraft‘. Da dachte ich mir: ‚Warum gibt es sowas nicht öfter und in einem eigenen Universum?‘“, so Mike. Als große Fans von Spoof Filmen wie „die Nackte Kanone“ oder „Hot Shots“ entschied er sich gemeinsam mit Bruder Kevin ein eigenes Hörspiel zu schreiben. Beide übernehmen eine Vielzahl von Aufgaben: Mike schreibt die Skripte, führt Regie, bearbeitet das Material und spricht die Figur Tilman. Kevin erstellt die Illustrationen und spricht Theo, war bis zur fünften Folge ebenfalls als Autor an Bord und „denkt sich bis heute noch viele der Gags aus“, erzählt Mike. Nora bekommt ihre Stimme durch Mikes Ehefrau, Manfred wird vertont durch seinen besten Freund.

Damit es nicht nur was zu hören gibt, sind die einzelnen Abschnitte der Geschichten mit handgezeichneten Illustrationen unterlegt. © Kevin Szesch

Aber Mike verweist auf die Entwicklung der Serie: „Am Anfang hat fast mein gesamter Familien- und Freundeskreis mitgesprochen. Sieben Folgen später werden mittlerweile viele der Rollen von professionellen Sprechern wie Nicole Silbermann vertont.“ Das Aufnahmesetup hat sich von einem USB-Mikrofon auf der Kommode zu einem Sprecherzelt mit Studiomikrofon und Mischpult ebenfalls stark verändert. Hinzu kommen immer neu erlernte Kenntnisse in der Postproduktion, mehr Wissen über dramaturgische Strukturen und bessere Soundeffekte.

Ein Blick hinter die Kulissen: Auch “F&RZ” lebt durch seine zahlreichen Soundeffekte. © Mike Riß

Kein Ende in Sicht

Um den erwähnten Qualitätsunterschied der einzelnen Folgen auszugleichen, wird die zweite Folge mit verbesserter Postproduktion und neuer Vertonung einzelner Charaktere remastered. Die erste Folge soll im Anschluss als Remake mit neuen Dialogen und einer erneuten Aufnahme aller Sprecher in höherer Qualität neugestaltet werden. „Fast jeder fängt bei Folge 1 an und entwickelt dadurch seinen Eindruck. Meine Sorge ist, dass viele durch den Qualitätsunterschied verfrüht abschalten.”, so Mike. Eine zweite Staffel ist auch geplant, soll aber anders als die Erste funktionieren. „Die Idee ist, dass es keine kontinuierliche Geschichte ist, wie bei der ersten Staffel. Stattdessen steht jede Folge für sich allein und das Setting wechselt von Folge zu Folge. Zum Beispiel Sci-Fi oder Wilder Westen. Wichtig ist, dass die Leute Spaß damit haben und wir sie zum Lachen bringen können. Das ist das, was zählt.”

Über den Autor

Lennart ist Mediengestalter für Bild und Ton. Er produzierte 2019 mit „To those We leave behind“ seinen ersten Kurzfilm.